Materialinfo: Küchenfronten

Welche Küchenfronten und Küchenarbeitsplatten gibt es und was sind die Vor- und Nachteile einzelner Typen und Materialien?

Der Korpus eines Küchenschrankes setzt sich aus zwei Seitenwänden, einem Unterboden, einer Rückwand und einem Oberboden zusammen und dient als Grundkonstruktion für alle Schrankformen. Vorne an den Korpus sind die Fronten als Türen, Schubläden oder Auszüge angebracht.

Grundmaterialien

MDF-Platten und Spanplatten

Neben Spanplatten und Massivholz erfreuen sich MDF-Platten als Grund- bzw. Trägermaterial für Küchenmöbel großer Beliebtheit. Die sogenannten mitteldichten Faserplatten zeichnen sich durch ihre enorme Stabilität und Biegefestigkeit aus, sind leicht zu bearbeiten und werden wegen ihrer besonders gleichmäßigen und glatten Oberfläche gerade bei lackierten Fronten sehr geschätzt.

Wie werden MDF-Platten, die sich aus Holz, Klebstoffen, Zusatzstoffen und Wasser zusammensetzen, hergestellt? Die Holzfasern werden unter Dampfdruck stark erhitzt, in den Refiner (Zerfaserer) gegeben und aufgemahlen.

Anschließend wird der Faserstoff getrocknet und zu Einschichtplatten verpresst. Anders als bei der Spanplatte sind Kanten und Oberfläche sehr fein, da der Anteil an Poren sehr gering ist. Gleich nach der Profilierung kann die MDF-Platte beispielsweise lackiert, mit Folie oder mit verschiedenen Beschichtungen überzogen werden.

Bei Spanplatten handelt es um den meistgenutzten Werkstoff in der Küchenmöbelindustrie. Beachtenswert ist, dass vom Hersteller nur hochwertige Platten mit der Grenzwertanforderung E1 verwendet werden. Dieser Wert bezeichnet die zulässige Formaldehydemission und kann anhand des Gütesiegels E1 kontrolliert werden.

HPL-Platten

HPL bedeutet "High Pressure Laminate" und bezeichnet abriebfeste, feuchtebeständige, lebensmittelechte, bis zu 180 °C hitzebeständige und antistatische Schichtpressstoffplatten. Die Dicke der Platte beträgt zwischen 0,8 und 1,6 mm. Sie können in unterschiedlichen Farben und Strukturen gefertigt werden.

Dafür werden mehrere Zellulosebahnen mit härtbaren (duroplastischen) Kunstharzen durchtränkt und gleichmäßig geschichtet. Für das jeweils gewünschte Design sorgt die Dekorschicht, welche aus einem bedruckten oder gefärbten Bogen besteht. Die Dekorschicht wird in Melaminharz getränkt und die Kernschichten der Platte mit Phenolharz. Anschließend werden die Schichten miteinander verpresst. Nach dem Aushärten verleihen die Kunstharze der Platte eine enorme Stabilität und extreme Härte. Zudem besitzen die Kunststoffplatten eine porenlose Oberfläche.

Küchen-Fronten

Kunststofffronten

Kunststofffronten

Anschließend werden auf dem Trägermaterial thermoplastische und duroplastische Beschichtungen, Laminate oder Schichtstoffe aufgebracht. Es gibt verschiedene Arten von Kunststofffronten: Melaminharzfronten, Folienfronten und Schichtstofffronten stehen zur Wahl.

Für Folienfronten spricht, dass eine sehr große Auswahl an Farben und Mustern erhältlich ist. Die mit Kunststofffolie ummantelten Fronten sind aus Preisgründen sehr beliebt.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass es bei Folienfronten in der Vergangenheit immer wieder Probleme gab: Trotz enormer Verbesserungen auf diesem Gebiet, neigen sie immer noch häufig dazu, sich im Laufe der Zeit vom Trägermaterial abzulösen und sind außerdem nicht sehr resistent gegen Kratzer und Hitze. Mehr Freude werden Sie mit einer Front haben, die durch eine Melaminschicht extrem widerstandsfähig ist.

Kunststofffronten mit einer Melaminharzbeschichtung sind widerstandsfähig sowie pflegeleicht und eignen sich daher hervorragend für häufig beanspruchte Küchen. Von Vorteil ist, dass die Platten hoch abriebbeständig und chemikalienresistent sind und auch unter Lichteinwirkung nicht verblassen.

Die widerstandsfähigsten Fronten haben eine Schichtstoffauflage aus Phenolharz, Dekorpapier und einer transparenten Deckschicht. Schichtstofffronten erlangen während ihres Produktionsverfahrens eine extreme Härte. Da die Platten deutlich dicker und härter sind als Folienfronten, halten sie auch großen Beanspruchungen stand.

Lackfronten

Lackfronten

Für die ebenfalls sehr beliebten Lackfronten wird das Trägermaterial mit Zwei-Komponentenlack überlackiert, der aus einem Stammlack und einem Härtungslack besteht. Je nachdem, ob Sie sich eine matt oder hochglänzend lackierte, oder eine Microlack-Küche wünschen, werden bei der Lackierung und der anschließenden Schleif- und Polierarbeit verschiedene Verfahren angewandt.

Dabei haben alle Arten der Lackierung zwei gemeinsame Eigenschaften: Eine lackierte Frontoberfläche ist nicht nur besonders ausdrucksstark und ästhetisch, sondern auch sehr strapazierfähig und absolut dicht versiegelt (Die Oberflächenhärte und Kratzfestigkeit entspricht der von Autolacken), der hohe Arbeitsaufwand bedingt aber natürlich auch etwas höhere Anschaffungskosten.

Glasfronten

Glasfronten

Glastüren werden schon lange als Akzentfronten in der Küche eingesetzt. Dabei handelt es sich meist um durchscheinende Glastüren, die auf einem Alurahmen befestigt sind und in unzähligen Varianten angeboten werden: als Lisenen- oder Rahmentüren mit oder ohne Sprossen und mit verschiedenen Glasarten wie Klar-, Milch-, Mastercarree-, Bunsen-, oder auch sandgestrahltem Glas.

Seit relativ kurzer Zeit wird Glas auch als ganzheitliche Frontausführung vermehrt eingesetzt. Meistens wird das aus Sicherheitsgründen verwendete Einscheibensicherheitsglas (ESG) rahmenlos auf ein Trägermaterial aufgebracht. Es kann in allen Farben lackiert werden, hat eine einheitlich brillante Wirkung, die einer Hochglanzfront in nichts nachsteht und ist außerdem besonders kratzfest und hitzebeständig.

Echtholzfronten und Massivholzfronten

Echtholzfronten und Massivholzfronten

Holzfronten zeichnen sich durch eine natürliche Oberfläche aus Massivholz oder Echtholzfurnier aus. Massivholz ist das natürlichste Frontenmaterial. Achten Sie auf die genaue Bezeichnung beim Hersteller. Oft werden nur Rahmen aus Massivholz angeboten und die Füllung ist furniert, das heißt in etwa 1 mm Stärke auf höherwertige Span- oder MDF-Platten aufgeleimt. Diese furnierten Fronten werden als Echtholzfronten bezeichnet und lassen sich lasieren, beizen, kalken, bürsten, sandstrahlen, patinieren und mit Lacken/Farblacken auch an aktuelle Farbtrends anpassen. Anschließend werden die Oberflächen mit einer nicht sichtbaren schützenden Lack-Schicht versiegelt, die DD Lack genannt wird.

Massivholzfronten hingegen bestehen komplett aus solidem Holz. Anstelle von „Massivholz“ kann auch der Begriff „Vollholz“ verwendet werden. Anders als bei der Echtholzküche, bei der nur die Fronten aus Holz bestehen, ist bei Vollholzküchen auch der Korpus massiv.

Edelstahlfronten

Edelstahlfronten

Als bevorzugtes Material für Spülen und Elektrogeräte hat Edelstahl schon lange einen angestammten Platz in Ihrer Küche. Doch was in Profiküchen längst Gang und Gäbe ist, sollten auch Sie in Betracht ziehen: eine Küche mit Edelstahlfronten.

Diese bestehen zunächst ebenfalls aus einer Trägerplatte, auf die im Anschluss ein Edelstahlblech aufgezogen wird. An der Verarbeitung der Ecken und Kanten, an denen die Platte mit dem Blech verbunden wurde, können Sie die Qualität des Produktes meist direkt erkennen.

Edelstahl hat viele Vorteile, die es zu einem geeigneten Material für Küchenfronten machen: Es ist nicht nur optisch sehr reizvoll, sondern durch seine unverwüstlichen und pflegeleichten Oberflächeneigenschaften auch funktional und alltagstauglich. Die Kehrseite: natürlich sind auf einer Edelstahloberfläche Fingerabdrücke und Kratzspuren deutlich sichtbar.

Acrylfronten

Acrylfronten

Eine gute Alternative zu Hochglanzlackfronten sind die im Beliebtheitsgrad immer weiter steigenden Acrylfronten. Sie werden teilweise aus massiven Acrylplatten hergestellt oder aus beschichteten MDF Trägermaterialien, die ähnliche Eigenschaften wie Holz haben und bequem bearbeitet werden können.

Im Angebot sind mittlerweile unzählige Designs von ausdrucksstarken Unifarben bis hin zu exotischen Trendholzdekoren, die alle einen hohen Glanz gemeinsam haben und sich wegen ihrer Alltagstauglichkeit (glatt, einfach zu reinigen, nach Versiegelung kratzfest) ideal als Frontmaterial eignen.

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