Moderne Küchen

Design oder Nichtsein

Die moderne Küche von heute markiert einen Umbruch. Nicht nur Alltag und Ansprüche vieler Menschen haben sich stark verändert. Auch die Küche als der zentrale Ort von Haus und Wohnung unterliegt einem radikalen Wandel. Vernetzte Elektrogeräte, Arbeitsplatten aus Naturstein, grifflose Fronten, neue Lösungen für Stauraum und Zubehör kommen in Mode. Aber wird damit eine Küche schon zur modernen Küche?

Grifflosigkeit und spannende Lichteffekte: Moderne Küchen avancieren zum Designobjekt.
Offene Küchen-Konzeption und Regale als wohnliches, individualisierbares Element. Foto: Nolte

Noch vor einigen Jahrzehnten war die Küche in vielen deutschen Haushalten ein von der restlichen Wohnung abgetrennter Raum. Kochen war Arbeit. Repräsentativ war allein das Wohn- und Esszimmer. Aber das ist zum Glück Vergangenheit.

Die moderne Küche präsentiert sich heute völlig anders. Als Raum der Kommunikation, als Zentrum des familiären Lebens, als Ort fürs gemeinsame Kochen mit Gästen. Deshalb muss die moderne Küche noch mehr leisten als früher. Neben der Funktionalität rückt das Design stärker in den Vordergrund. Schließlich ist die Küche sichtbarer als zu Omas Zeiten – auch gegenüber Gästen. Zudem dringt sie mehr und mehr in den Wohnbereich ein.

Wenn man von „moderner Küche“ spricht, sollte allerdings ein weiterer Aspekt berücksichtigt werden. Anders als ein Smartphone, das vielleicht alle zwei Jahre neu gekauft wird, haben Küchen eine andere Lebensdauer. Sie sind eine Investition auf durchschnittlich 15 Jahre. Was das bedeutet? Zwischen der alten und der neuen Küche liegen meist 15 Jahre Entwicklungsarbeit. Und manchmal mehr.

In den letzten 15 Jahren ist tatsächlich viel passiert. Muldenlüfter im Kochfeld und vernetzte Geräte sind nur einige Beispiele für die rasante Entwicklung der Technik. Hinzu kommt der gestiegene Stellenwert der Küche.

Ein offenes Konzept ist Trumpf bei modernen Küchen.
Kochen, Essen, Wohnen ohne Grenzen. Foto: Rotpunkt

Sie verschmilzt architektonisch immer mehr mit dem Wohnraum und gewinnt Bedeutung als Kommunikationszentrum. Kücheninseln, Regale als Raumteiler und hochwertige Fronten rücken die moderne Küche ins Zentrum des Lebens.

Als Wohnküche erlebt die moderne Küche einen neuen Boom. Dabei kann die moderne Küche jedoch individuell ganz unterschiedlich gestaltet sein. Drei Stilrichtungen haben sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt:

  • Eklektischer Stil: Die Lust am Experiment bringt unterschiedlichste Elemente zusammen. Das Alte und Neue. Das Harte und Weiche. Das Nützliche und Dekorative.
  • Purismus: Klare Linien und die Konzentration auf das Wesentliche dominieren diesen Stil.
  • Moderner Landhausstil: Die moderne Landhausküche feiert ihr Comeback. Gemütlichkeit wird zum Gestaltungsprinzip.

Es lohnt sich also ein Blick auf die einzelnen Gestaltungsmittel der modernen Küche: Form, Material, Oberfläche und Funktion. Wie haben sich darauf die prägenden Neuheiten der letzten Jahre ausgewirkt?

grifflose Küche, mit einer Kombination aus Quarzgrau und Steineiche.
Kompromisslose Grifflosigkeit bringt Modernität in die Küche. Foto: Nolte
Der perfekt Übergang zum Wohnraum entsteht durch Regalelemente an der Kochinsel.
Insel mit Regalseite, die sich zum Wohnraum öffnet und einen sanften Übergang schafft. Foto: Nolte

Form: Ein Kasten bleibt ein Kasten. Oder doch nicht?

Flexibel und perfekt geeignet für moderne Stadtnomaden: Concept Kitchen von Naber.
Küche mal anders gedacht. Foto: Naber

Tatsächlich gab es in Hinblick auf die Form seit der Frankfurter Küche von 1926 keine Revolution mehr. Auch wenn jede Planung individuell ist: Küchenmöbel sind im Grunde eben auch nur Kastenmöbel. Und dennoch gibt es in der modernen Küche Ausnahmen.

So brechen Stehtheken, Regalsysteme und Solitäre die etablierte Kastenform teilweise auf. Der Münchner Küchenbauer J.Gast konstruiert zum Beispiel Küchen nicht auf Basis einzelner Korpusse, sondern mithilfe eines Rahmenstecksystems. Oder man blickt auf die Neuerungen im Bereich der Modulküchen, wie etwa auf Concept Kitchen von Naber. Auch dort findet eine zumindest behutsame Abkopplung von den klassischen Kasten-Formen der Küche statt.

Material: Grün ist die Zukunft

Gänzlich unsichtbar und dennoch wesentlich, prägt auch das Trägermaterial von Fronten und Korpussen das Design moderner Küchen. Spanplatten und MDF-Platten (mitteldichten Faserplatten) bilden immer noch das Gros. Daneben verwenden einige Hersteller auch HPL-Platten („High Pressure Laminate“), Echtholz oder gar Leichtbau-Platten. Neues entsteht dort, wo Hersteller auf nachhaltige Materialien setzen. Trägerplatten aus Holz und leichtem Biomassegranulat auf Basis schnell nachwachsender Einjahrespflanzen sind ein zukunftsweisender Weg.

Nachhaltige Küchenmöbel

Ökologische Möbel sind Möbel für die Zukunft. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, dann lesen Sie doch einfach unseren Artikel zum Thema.

Oberfläche: Handstreichler und Hingucker

Während Form und Material neue Spielräume nur in engen Grenzen eröffnen, sieht das bei Oberflächen schon anders aus. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan.

Überraschend ist das nicht. Immerhin prägt die Oberfläche das Erscheinungsbild und die Haptik der modernen Küche. Insbesondere bei der Front und der Arbeitsplatte. Die Oberfläche ist Statement und Ausdruck von Kultur, Identität und ästhetischen Anspruch des Küchennutzers.

Neue Technologien haben viel dazu beigetraten, dass Fronten heute robuster sind als früher. Unempfindlich gegen Fingerabdrücke, stoß- und kratzfest und hitzebeständig sind heute viele Oberflächen. Dazu sind sie oft wasserabweisend und antibakteriell. Aber nicht nur das. Eine große Vielfalt an Strukturen, Farben und Optiken ist erhältlich. Auch in ausgefallenen Varianten wie Beton und Metall. Selbst Glas und Keramik wird eingesetzt. Und: Zum Teil sind Holzreproduktionen schon so gut, dass sie kaum noch von echten Holzfronten zu unterscheiden sind. Kurzum: Was Oberflächen und Fronten angeht, bietet die moderne Küche viel – fürs Auge und für die Hand.

Metallfronten machen moderne Küchen zu einem Hingucker.
Front im Metall-Look, hier eine Beispiel von Nolte.

Funktion: Technik überall

Innovativer als im Bereich Oberflächen ist die moderne Küche wohl nur in Sachen Funktion. Das betrifft sowohl den Bereich der Beschläge als auch den der Geräte und des Lichts. Integrierte Dämpfung und Selbsteinzug gehören oft schon zum Standard einer modernen Küche. Dazu bieten Beschlägehersteller noch Vollauszüge, Liftsysteme, Hochfaltbeschläge, elektrische Systeme und einiges mehr. Das erleichtert die Küchenarbeit – auch unter ergonomisch anspruchsvollen Bedingungen.

Moderne Küchen benötigen auch moderne Technik: Vernetzung ist angesagt.
Backofen-Steuerung via App. Foto: Siemens

Nicht zuletzt hat die Geräteindustrie der modernen Küche ihren Stempel aufgedrückt. Den vielleicht massivsten Einfluss auf die Entwicklung der Hausgeräte nimmt das Thema Vernetzung. Sie eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Küchennutzung. Die Steuerung von Geräten durch Apps, Sprache und Gesten ist zwar noch kein Standard, aber bereits möglich. Komfort und Benutzerfreundlichkeit nehmen zu. Gleichzeitig erhöht sich die Funktionalität der Geräte. Dazu entstehen neue Geräteklassen, in denen verschiedenen Funktionen fusionieren. Geräte, die sowohl das Dampfgaren und das Backen beherrschen, sind da nur ein Beispiel.

Die moderne Küche ist eine vernetzte Küche. Und künftig wohl auch eine Küche mit künstlicher Intelligenz. Bereits jetzt werden Geräte entwickelt, die lernfähig sind. Sie analysieren das Nutzungsverhalten, um daraus beispielsweise praktische Tipps und Vorschläge für den Koch abzuleiten.

Aber die Technik geht über das rein Nützliche hinaus. Indem sie beispielsweise Licht-Stimmungen erzeugt, je nach Art der Nutzung und Tageszeit. Der variable und intelligente Einsatz von LED-Lichtszenarien bringt damit Technik und Emotion zusammen.

Vernetzte Geräte

Technik macht das Leben leichter – und vernetzte Technik noch ein stückweit mehr. Lesen Sie, welche Möglichkeiten Ihnen die Vernetzung eröffnet.

Pure Symmetrie: grifflose U-Küche als Statement.
Pure Symmetrie: grifflose U-Küche als Statement. Foto: Pronorm
Ein dunkler Holzton und leichtes Grau bringt Wärme in den Wohnraum.
Ein dunkler Holzton und leichtes Grau bringt Wärme in den Wohnraum. Foto: Pronorm

Die Frage aller Fragen: Wer baut moderne Küchen?

In Deutschland gibt es rund 50 Küchenhersteller. So gut wie alle arbeiten mit den gleichen Zuliefer-Unternehmen für Beschläge und Holz und den gleichen Hausgeräteherstellern zusammen. Insofern ist es schwer, einem Küchenhersteller eine besondere Kompetenz im Bau moderner Küchen zuzusprechen.

Wer sich auf den Webseiten der großen Hersteller umschaut, findet deshalb nahezu überall den Begriff „Moderne Küche“. Mindestens als Küchenstil im Portfolio des jeweiligen Küchenbauers. Grundsätzlich findet man allerdings im höherpreisigen Segment verstärkt die Features, die eine moderne Küche ausmachen. Vernetzte Geräte, Sprachsteuerung, Arbeitsplatten aus Glas oder Keramik, Betonfronten – das alles hat seinen Preis.

Moderne Küchen bieten clevere Lösungen: Deckenhohe Schränke lassen sich über eine Leiter erreichen.
Wohnliche Küche mit Theke, Leiter, Bilder. Foto: Rational
Kontraste - wie hier mit Alteiche und Schwarzstahl - machen das Design moderner Küchen lebendig.
Lösungen auch für komplexe Raumsituationen. Foto: Neue Häcker

Was kostet eine moderne Küche?

Die Frage, was eine moderne Küche kosten darf, ist alles andere als leicht zu beantworten. Die Spanne zwischen einer günstigen modernen Küche und einer teuren modernen Küche ist weit. Ausstattungsmerkmale, Leistungsvermögen, Komfortelemente, Einsatzmöglichkeiten, Qualität und Service bestimmen, wie hoch der Preis am Ende ist. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Preisgestaltung kaum von der eines Autos. Mit dem Unterschied: Eine Küche wird in der Regel länger und intensiver genutzt.

Dunkle Eyecatcher in hellem Ambiente.
Dunkle Eyecatcher in hellem Ambiente. Foto: Impuls
Zwei Fronten unterschiedlicher Farbe können auch harmonieren.
Modern: Uneinheitliche Frontenfarbe und dennoch passend. Foto: Impuls

Modern oder doch nur modernisiert: Die kleine Lösung

Griffe mit Charakter. Foto: Schüco

Manchmal braucht es gar keine komplett neue Küche für einen modernen Look und moderne Funktionen. Wer im Grunde mit seiner Küche zufrieden ist, aber allem eine Verjüngungskur verpassen will, sollte vielleicht nur einzelne Elemente austauschen. Eine frische Farbe, ein frisches Dekor – und schon passt die Küche dank neuer Küchenfront oft viel besser zur übrigen Einrichtung.

Viel ist manchmal gar nicht nötig. Allein schon neue Griffe verleihen der Küche einen völlig neuen Charakter. Alte Einbaugeräte lassen sich in der Regel ohne großen Aufwand gegen neue, moderne Geräte austauschen. Mit denen kann man nicht nur Energie sparen. Mit neuen vernetzten Geräten stehen Nutzern auch eine Reihe spannender Funktionen zur Verfügung.

Woran erkenne ich eine moderne Küche?

Eine klare, feste Definition darüber, was eine moderne Küche ausmacht, existiert nicht. Allerdings zeigt sich die Modernität einer Küche an vielen Einzelheiten. An hochwertigen Fronten mit Antifingerprint-Beschichtung. An hochwertigen, dämpfend schließenden Scharnieren. An cleveren Eckschranklösungen, die jeden Winkel der Küche nutzen. An Geräten, die energieeffizient arbeiten, vernetzt sind und mit Kochassistenten das Kochen zum leichten Spaß machen.

Was das Planerische betrifft, könnte man es so formulieren: Grundsätzlich erkennt man eine moderne Küche schon daran, dass sie offen gestaltet ist. Vor allem offen zum Wohnraum hin. Das erfordert Elemente wie Regale, Kücheninseln oder Muldenlüfter, die es in der klassischen Küche vor gut 15 oder 20 Jahren eher selten gab.

Moderne Küche sind funktional: Clevere Staumraumlösungen nutzen jeden Winkel.
Selbst der kleinste Raum wird sinnvoll genutzt. Foto: Ballerina

Wo kann ich eine moderne Küche kaufen?

Der planerische Aufwand für eine moderne, offene Küche ist meist höher bei der klassischen Variante, die meist abgetrennt vom Wohnraum konzipiert wird. Wer eine individuelle, tiefergehende Planung bevorzugt, ist im Küchenfachhandel meist an der richtigen Adresse. Eine gute Beratung ist natürlich auch in großen Vollsortimentshäusern mit Küchenabteilung nicht ausgeschlossen. Nicht selten aber nehmen sich die Verkäufer dort weniger Zeit, um Kunden intensiv zu beraten.

  • Schauen Sie sich um in unserem Händlerportal. Sicher gibt es auch in Ihrer Nähe einen Händler, der von anderen Kunden bereits gut bewertet worden ist.

Fazit: Die Planung macht den Unterschied

Die veraltete Idee, die Küche sei ein abgetrennter Raum, an dem ein Einzelner arbeitet, wird mit der modernen Küche in ihr Gegenteil verkehrt. Kommunikation, Offenheit, Spaß am Kochen stehen im Zentrum. Entsprechend ist die moderne Küche geplant und gestaltet. Sie öffnet sich zum Wohnraum. Sie kann sich sehen lassen, überzeugt also optisch wie haptisch und vermittelt Atmosphäre wie Wohnlichkeit. Wer sich für eine moderne Küche entscheidet, muss meist etwas mehr als der Durchschnittskäufer investieren und ist auf einen erfahrenen Küchenplaner angewiesen. Die besten Adressen findet man dabei unter der Vielzahl der Küchenspezialisten.

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