Nachhaltige Küchenmöbel

Ökologisch einrichten ist ein bleibender Trend. Ökomöbel aus Naturmaterialien sind in der Küche die Dauerbrenner und erfreuen sich großer Beliebtheit. Lesen Sie hier alles über nachhaltige Küchenmöbel, lernen Sie Innovationen kennen, die zum Umdenken anregen und verschaffen Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Prüfzeichen und Umweltsiegel im Bereich Küchenmöbel.

Die Holzküche – unschlagbar ökologisch?

Spitzenreiter bei den natürlichen Materialien für die Küche ist neben Naturstein, der insbesondere bei der Arbeitsplatte zum Einsatz kommt, natürlich Holz. Der Rohstoff mit den angenehmen Eigenschaften wird ebenfalls gerne zu Arbeitsplatten verarbeitet, bildet aber auch häufig den Hauptbestandteil von Korpus und Fronten der Natur-Küche. Alles zu MDF- und Spanplatten, sowie zu den fester gepressten HPL-Platten erfahren Sie hier. Was Sie über die Holzküche wissen müssen, Unterschiede zwischen Furnier, Vollholz und Massivholzküche und einen Überblick über die beliebtesten Holzarten für die Küche haben wir im großen KüchenAtlas Holzküchen-Extra  für Sie zusammengetragen.

Auf alt getrimmte Küchenmöbeln sind sehr beliebt. Sie verleihen dem Raum einen ehrwürdigen und natürlichen Charakter
Dream Team: Naturstein und Holz sind beides edle Naturmaterialien und wirken im Zusammenspiel nicht nur in der Landhausküche hochwertig und attraktiv!
Küchenmöbel aus Erlenholz wirken nicht nur warm und behaglich, sie zählen auch zu den umweltfreundlichsten, da die Erle bei uns heimisch ist
Helle, freundliche Holzküche aus Erle – eine in Mitteleuropa heimische Holzart, die somit zu den ressourcenschonenderen zählt.

Eines ist klar: nicht erst bei der täglichen Arbeit in der Küche, sondern bereits beim Möbelkauf entscheidet sich der „ökologische Fußabdruck“, den Ihre Küche im Laufe ihres Lebens hinterlässt. Tropenhölzer und Kunststoffe machen nicht nur heimischen Hölzern und biologischen Materialien Platz, sondern immer öfter auch nachwachsenden Rohstoffen oder bereits recycelten. Denn selbst bei noch so schonendem Umgang mit Ressourcen – letztlich muss für Holzmöbel der Wald herhalten. Was Sie aber tun können ist, auf Umweltsiegel zu achten und die Herkunft der Rohstoffe für Ihre Holzküche auf ökologische und soziale Aspekte hin abzuklopfen.

Umweltbewussten Küchenkäufern ist es außerdem wichtig, dass bereits bei der Herstellung der Möbel Wasser, Energie und CO2 gespart werden und der Transport möglichst emissionsarm abgewickelt wird. Kurze Wege zwischen Material- und Produktionsstandort, zwischen Lager und Endkunde sind hier ebenso entscheidend, wie eine möglichst umweltschonende Verpackungspolitik.

Schadstoffe in Küchenmöbeln

Die Altholzküche ist das beste Beispiel von Recycling und überzeugt besonders durch ihre urige und originelle Ausstrahlung.
Altholzküchen liegen im Trend. Genauer kann man über die Herkunft des Holzes gar nicht Bescheid wissen und die Ausdünstung von Schadstoffen ist bei einer Küche ganz ohne Spanplatten extrem gering. Bild: Pfister

Auch die Verarbeitung der Küchenmöbel sollte den Umweltstandards entsprechen; Hierbei kommt es zum einen darauf an, dass Einrichtungsgegenstände ganz allgemein von einer langlebigen Qualität sind und nicht so häufig ausgetauscht werden müssen, zum anderen auch auf die Schadstoffemission.

In erster Linie Formaldehyd, aber auch Styrol und andere Binde- und Lösungsmittel, die bei der Herstellung der meisten Span- und Faserplatten zum Einsatz kommen, reizen beim Ausdunsten nicht nur die Schleimhäute und haben sich mitunter sogar als krebserregend herausgestellt, sondern sind auch schlecht für die Atmosphäre.

Am besten abgeschnitten bei der Öko-Test Schadstoff-Prüfung haben – wenig überraschend – die Vollholzküchen. Doch auch hier geht es nicht ganz ohne Formaldehyd – ein Stoff der bereits im Baum in geringer Menge natürlich vorkommt.

In Deutschland gilt bislang beim Formaldehyd der Standard E1; Grenzwert ist dabei eine Formaldehyd-Emission von 0,1 ppm (ml/m3).

Immer niedigere Richtwerte wirken sich aber aus dem Ausland auf die Küchenbranche aus: der extrem strenge Standard im Toxic Substance Control Act (TSCA) der USA fordert eine entsprechende Kennzeichnung aller Einzelteile holzbasierter Möbel wie Span-, Sperrholz- und sonstiger Holzverbundplatten. Auch in Frankreich ist ein neues Gesetz zur Kennzeichnung von Möbeln in Kraft. Die Deutschen Küchenhersteller sind gezwungen den Standard E1 in Zukunft noch deutlich zu unterbieten, um die guten Exporte in eben diese Länder nicht zu gefährden.

Ökomöbel neu gedacht – GreenLine Küchen von Rotpunkt

Wer Zweifel an der Umweltverträglichkeit von Küchen hat, zu deren Herstellung durchaus nicht wenig Holz aus Waldbeständen gerodet werden muss, der kann jetzt noch einen Schritt weiter gehen.
Für das innovative GreenLine Küchenkonzept kommt BioBoard zum Einsatz  – eine nach ökologischen Gesichtspunkten entwickelte und zertifizierte Platte aus Industriemais und anderen schnell nachwachsenden Pflanzen.

Greenline Küchen von Rotpunkt. Möbel aus schnell nachwachsenden Rohstoffen schonen die Umwelt
Das GreenLine Küchen-Leichtgewicht aus Mais hat schwerwiegende Vorteile...
Der Kern der Bioboard Möbelplatten besteht zu einem großen Teil aus Industriemais, der innerhalb eines Jahres nachwächst
...die Gewichtsreduzierung sorgt für einen deutlich geringeren CO2 Ausstoß beim Transport! Bilder: Rotpunkt

Verantwortlich für diese grüne Neuheit ist der Küchenhersteller Rotpunkt, der sich für die Zukunft vorgenommen hat, einen großen Teil seiner Produktion auf BioBoard Korpusse und Fronten umzustellen. Die Besonderheit: für die Mittelschicht der Möbelplatte werden nicht mehr überwiegend Holzspäne verwendet sondern zu bis zu 37% durch ein ressourcenschonendes Biomasse-Granulat ersetzt. Dieses besteht aus Mais und anderen Einjahrespflanzen – natürlich nicht in Futterqualität – und schont so die Wälder.

Als Greenline in Bioboard Qualität gibt es unter anderem Küchen im attraktiven Eiche Dekor.
Modernes Wohngefühl – der flexible Einsatz von Bioboard macht es möglich!
Die Greenline Küchen von Rotpunkt zeigen sich im Küchendesign sehr wandlungsfähig und sind zum Beispiel auch als weiße Küche zu haben.
Eine umweltfreundliche Küche muss nicht mehr zwingend rustikal aussehen. Bilder: Rotpunkt

Die acht wichtigsten Umweltsiegel für Küchenmöbel

Das Goldene M ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Das Goldene M zählt zu den warenrechtlich gesicherten RAL-Gütezeichen und wird von der DGM (Deutsche Gütegemeinschaft Möbel e.V.) für Möbel vergeben, die unabhängigen Tests in Sachen Haltbarkeit, Materialgüte, Langlebigkeit, Sicherheit und Gesundheitsverträglichkeit standhalten. Es ist Deutschlands einziges, offiziell anerkanntes Gütezeichen für Möbel und bezieht sich hauptsächlich auf die Qualität der Produkte. Teil der Tests sind aber auch Schadstoffgehalt, Umweltbewusstsein und der Beitrag der Möbel zum gesunden Wohnen. Keine Rolle spielt allerdings der Ursprung der Ressourcen. Mehr Infos zur DGM, dem goldenen M und welche Küchenhersteller bereits damit ausgezeichnet wurden lesen Sie hier .

Das Emissionslabel der DGM ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Über das DGM-Emissionslabel beschäftigt sich der Verein näher mit den Schadstoffausdünstungen von Möbeln. Die Auszeichnung, die mit ihrer Klassifizierung von A (geringste Schadstoffemission) bis D (Gerade noch zulässige Schadstoffemisson) an das EU-Energielabel für Elektrogeräte erinnert, nimmt Formaldehyd und andere gesundheits- und umweltschädliche Stoffe unter die Lupe. Bisher zählen Küchenmöbel noch nicht zu den Trägern des DGM-Emissionslabels; interessant für die Einrichtung der Küche könnten geprüfte Tische und Sitzmöbel sein. Öko-Test bewertet die Plakette der DGM als guten Anfang und rät: Nur die Grenzwerte der als A klassifizierten Produkte sind empfehlenswert. Bitte Finger weg von Möbeln aus den Klassen C und D.

Der Blaue Engel ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Der „Blaue Engel“ des Bundesministeriums und des Bundesamts für Umwelt steht als Prüfzeichen speziell für die Umwelt- und Gesundheitseigenschaften von Möbeln. Beim Test wird nicht nur das fertige Produkt beurteilt, sondern sein gesamter „Lebenszyklus“ von der Produktion bis zur Entsorgung. Bisher wurden bei der Vergabe des „Blauen Engel“ noch keine Küchenmöbel berücksichtigt. Dafür können Sie bei der Wahl von Tischen und Sitzmöbeln für Ihre Wohnküche auf das Umweltzeichen achten, das sich bei Holzprodukten insbesondere auf den Einsatz von Ressourcen aus nachhaltiger Forstwirtschafft und geringe Emissionswerte konzentriert. Auch über empfehlenswerte Elektrogeräte und Haushaltsprodukte informiert der „Blaue Engel“. Oft verfügt das charakteristische, blaue Logo zusätzlich über einen Untertitel, der verrät, welche Produkteigenschaft speziell ausgezeichnet wurde.

PEFC ist eines der wichtigsten Umweltsiegel.

PEFC ist das bekannte Zertifikat, das garantiert, dass die Rohstoffe für Holzmöbel aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Das Siegel versteht sich selbst als globaler „Wald-TÜV“ und hat die flächendeckende Entwicklung von strengen Umweltstandards in der Forstwirtschaft zum Ziel. Wer PEFC-zertifizierte Holzmöbel kauft, kann sich auf Nachhaltigkeit auf ganzer Linie verlassen: geachtet wird auf alles von der Wiederaufforstung, über den Erhalt der vielfältigen Flora und Fauna bis hin zu den Arbeitnehmerrechten in der Waldwirtschaft. PEFC zeichnet Vollholzmöbel, aber auch Furniere, Holzwerkstoffe, Spanplatten und andere küchenrelevante Produkte aus. (Bild:PEFC)

label-fsc

Ähnlich agiert das Label FSC und bewertet die Herkunft von Hölzern, die zur Produktion von Möbeln eingesetzt wurden, nicht aber die Möbel selbst. Die Anforderungen sind noch etwas strenger als bei PEFC und konzentrieren sich auf Nützlich ist das FSC Siegel insbesondere für Kundinnen und Kunden, die keine illegale Abholzung unterstützen möchten: ein Vergabekriterium ist nämlich der Nachweis, dass das Holz nicht aus Raubbau stammt.

LGA schadstoffgeprüft ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Sehen Sie auf Möbeln das Siegel „LGA schadstoffgeprüft“, so handelt es sich um eine Auszeichnung überwacht und vergeben durch den TÜV Rheinland. Produkte aus den Kategorien Bauen und Wohnen werden auf Emission und Schadstoffausstoß geprüft. Gesetzliche Werte und Anforderungen müssen eingehalten werden, um Träger der Plakette zu werden; laut Stiftung Öko-Test sollen die Vergabeansprüche für Produkte und Hersteller allerdings darüber hinaus nicht besonders hoch sein. Das Label wird nur als „bedingt hilfreich“ eingestuft.

Ökocontrol ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Hinter ÖkoControl steht der Verband der Ökologischen Einrichtungshäuser. Dieses Zeichen wird nur an Biomöbel aus Massivholz oder hochwertigen Holzwerkstoffen vergeben, die auch ausschließlich mit natürlichen Produkten behandelt wurden. Mit einem scharfen Grenzwert von 0,04 Mikrogramm Formaldehyd-Emission pro Kubikmeter Raumluft ist das Siegel ÖkoControl zwar noch strenger als die Jury des goldenen M, dennoch bleibt bei der unmittelbaren Nähe zu einem Möbelverband in puncto Neutralität ein fahler Beigeschmack.

Das Label vom Eco Institut ist eines der geläufigsten Umweltsiegel.

Das Eco-Institut betreibt Emissionsmessung und zertifiziert mit seinem Label Möbel aus Holz, Kunststoff und Metall. Die mitunter zu unkritischen Standards und Grenzwerte des Unternehmens wurden insbesondere von der Stiftung Öko-Test bereits mehrfach kritisiert. Beispielsweise können unter gewissen Bedingungen auch Produkte aus Tropenhölzern die Auszeichnung des Eco-Instituts tragen.

Extra: Nachhaltige Küche